Welches Equipment für Konzertfotografie? – Brauche ich immer die teuerste Kamera und das beste Objektiv?

Du erfährst in diesem Beitrag, nach welchen Kriterien Du Dir Deine Ausrüstung zum Fotografieren von Konzerten zusammenstellen kannst. Am Ende des Artikels gebe ich auch konkrete Produktempfehlungen.

Um Equipment zu empfehlen muss man schon etwas konkreter werden. Wie immer, kommt es darauf an, was Du fotografieren willst. Konzerte sind nicht gleich Konzerte. Es gibt Unterschiede zwischen Licht, Entfernung zur Bühne und Aktivitäten der Künstler.

Das Equipment, welches wir gebrauchen, spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen (Sam Abell)

Sicher hat Herr Abell mit seiner Aussage recht. Generell kann man aber auch sagen, dass die Konzertfotografie sehr anspruchsvoll ist, und man jede Hilfe durch eine bessere Kamera, die etwas schöner, besser, schneller, sparsamer, sicherer, standardisierter, automatischer macht, die bessere Wahl ist. Konzentrieren wir uns also zuerst auf die Hauptprodukte wie Kamera und Objektive.

Situation 1: Konzerte, die sehr einfach zu fotografieren sind
Künstler: bewegt sich kaum (sitzt z. B. mit einer Gitarre auf einem Hocker)
Stage: Open Air bei schönem Wetter mit leicht bewölktem Himmel
Licht: Scheinwerfer auf den Künstler, Kein Gegenlicht
Standort: Irgendwo im Bühnengraben

Ja, solche Situationen gibt es ab und zu tatsächlich. Wer vermehrt bei diesen Bedingungen Konzertfotos machen möchte, benötigt kein High-End-Equipment.
Wenn es so einfach für den Fotografen und die Kamera ist, dann kannst Du eigentlich jede Kamera nutzen, die Dir zur Verfügung steht. Wenn es nicht so unprofessionell aussehen würde, kannst Du sogar ein Handy nehmen.

Wenn Du also mal nur in die Konzertfotografie reinschnuppern willst, dann kannst Du die Kamera nehmen, die Du schon hast. Suche Dir dafür einfach die passende Situation aus.

Situation 2:
wie Situation 1
Künstler: bewegt sich (schnell und noch schneller)

Jetzt wird es schon spannender. Die Handys scheiden hier schon vermehrt aus. Jetzt muss ein wenig mehr Leistung her. Die Objektive müssen jetzt schnell und genau fokussieren. Wenn Du den Künstler anpeilst, um ihn scharf zu stellen, muss das sehr sehr schnell gehen, sonst ist er schon wieder woanders. Auch die Kamera trägt ihren Teil zum Fokussieren bei. Man braucht also eine schnelle Kamera/Objektiv-Kombination. Auch muss die Kamera sehr schnell auslösen können, also eine kurze Auslöseverzögerung haben.

Wenn man diese Leistungen nicht hat und trotzdem fotografiert, werden viele Bilder unscharf. Da aber auch scharfe Bilder dabei sein werden ist es nicht ganz so dramatisch. Es wäre nur schade wenn gerade die guten Szenen unscharf und somit nicht verwendbar wären.

Situation 3:
wie Situation 2
Künstler: bewegt sich und macht dabei Kunststückchen wie Saltos oder Headbanging

Bei einem Salto oder Sprung des Künstlers ist es sehr schwer den genau richtigen Moment zu fotografieren. Besser ist es den ganzen Salto zu fotografieren um sich dann das beste Bild auszusuchen. Hierzu muss die Kamera recht schnell bei den Serienbildern sein. Das ist etwa wie in der Sportfotografie wenn Du einen Tischtennisaufschlag fotografieren willst

Situation 4:
wie Situation 3
Licht: Die Sonne ist weg und es gibt nur noch wenig Licht

Und wieder sind die Kamera und die Objektive etwas mehr gefordert. Je dunkler es wird, desto besser ist eine Kamera, die hohe ISO Werte kann und auch bei hohen ISO Werten nur wenig rauscht. Dazu ein lichtempfindliches Objektiv mit z. B. Blende 2,8 oder 1,8 nehmen.

Situation 5:
wie Situation 4
Standort: gemischt, nah bis fern. Nicht mehr im Bühnengraben sondern weiter weg.

Jetzt können nur noch lichtstarke Zoomobjektive helfen. 70-200 2.8 oder 400er 2,8 könnten hier beispielsweise genannt werden. Jetzt kann es auch schnell richtig teuer werden. Das gute an einer Ausrüstung, die mit Situation 5 fertig wird ist, dass sie auch für alle anderen Situationen geeignet ist. Die Ausrüstung ist also abwärtskompatibel.

Wenn Geld keine Rolle spielt und Du alle Situationen meistern möchtest, dann besorge Dir was für Situation 5. Sonst achte auf Dein Budget und darauf, welche Situationen überhaupt bei Dir vorkommen. Wenn Du Kamera/Objektive hast, die der Situation eigentlich nicht gewachsen sind, dann kannst Du es natürlich trotzdem probieren. Sicher wird auch das eine oder andere Bild gelingen (wenn der Künstler mal kurz im Licht stehenbleibt oder ähnliches). Bedenke auch bei Deiner Anschaffung, dass ein Objektiv mehrere Body-Generationen überlebt. Von einem guten Objektiv hast Du lange etwas.

Vorteilhaft ist es, wenn die Kamera auch noch diese Merkmale hat (was bei den teureren Modellen eigentlich immer der Fall ist)

  • Gutes Kameradisplay zum Kontrollieren der Bilder
  • Stabil und spritzwasserfest
  • Zweiter Schacht für Speicherkarte
  • Hochkantauslöser
  • Iso direkt einstellbar

Produkte, die ich einsetze und/oder empfehlen kann:

Ich empfehle diese Produkte, weil ich diese selbst im Einsatz habe, ich diese Produkte oft im Graben sehe, oder vertrauenswürdige Konzertfotografen mit diesen Produkten zufrieden sind. Da ich selbst Nikon nutze beschränke ich mich auf Nikon. Aber zu jeder Nikon Preisklasse gibt es auch Pendants von anderen Herstellern.

Kameras:

Meine Kamera: 3Ds
Auch zu empfehlen: D4s, D5, D500
Preistipp: D750
Wobei die teuersten die besten sind. Aber höre Dich immer zuerst noch bei anderen Konzertfotografen um. Der Markt ist sehr schnell und oft kommt es auch auf die Kombination zwischen Kamera und Objektiv an.

Objektive:

Meine Objektive: 24-70 2,8, 70-200 2,8, 200-400 4.0, 85 1,8, 50 1,8
Manche Kollegen haben noch das 300er dabei und sind damit auch zufrieden

Wichtiges Zubehör

Neben dem Anschaffungspreis für Kameras und Objektive handelt es sich hier ja preislich eher um Kleinigkeiten. Aber diese Kleinigkeiten haben einen hohen praktischen Wert in der Konzertfotografie.

Schnelle große Speicherkarten
Die Speicherkarten müssen schnell genug sein, damit Sie deine Kamera nicht pausieren lassen und schnell ausgelesen werden können.

Schneller Kartenleser
z .B. USB 3.0 Kartenleser.  Ich habe diesen von Hama

Tasche oder andere Tragelösung
Sehr zu empfehlen ist ein Schultertragegurt für die Kamera.
ich habe mehrere Sunsniper

Regenschutz
Mit ein paar kleinen Plastiktüten und etwas Klebeband bist Du gegen leichten Regen schon gewappnet (wahrscheinlich die preiswerteste und nützlichste Anschaffung für Open-Air Konzerte)

Ersatzakkus
vor allem bei Festivals und zur Sicherheit

Ohrenstöpsel
sind wirklich sehr wichtig. Dazu gibt es schon einen extra Beitrag hier im Blog

Fazit:

Equipment für die Konzertfotografie muss nicht teuer sein. Aber je anspruchsvoller die Motive und Situationen desto kostspieliger wird eine Ausrüstung mit der auch gute Ergebnisse garantiert und nicht vom Zufall abhängig sind.

Meine Links zu Amazon sind Afiliate Links. Ich bekomme eine Provision. Für Dich bleibt der Preis.

Autor: Martin Black,  Martin Black ist Pressefotograf und Betreiber des Blogs www.Presse-und-Eventfotografie.de. Er fotografiert prominente Persönlichkeiten sowie kommerzielle und private Events.   www.Martin-Black.de, martin@martin-black.de

4 thoughts on “Welches Equipment für Konzertfotografie? – Brauche ich immer die teuerste Kamera und das beste Objektiv?

  1. Jörg Preuß

    Dein Preis Tipp ist die D750 was hältst du von der D800 oder D810 , derzeit nutze ich die D5300 und würde gerne auf einen Vollautomat umsteigen, ich habe mir auch die D3s und D4s sowie die D5 angeschaut aber leider liegen die weit entfernt von meinem Preissegment .

    Reply
  2. MartinBlack Post author

    Hallo Jörg,
    bei den Tipps habe ich mich sehr stark auch am Material der Presse-Kollegen und den Amateuren orientiert. Die D800 oder D810 ist da eher selten aufgetaucht. Bei mir ist es aber auch so, dass ich nicht alle Kameras systematisch teste. Ich habe ja mein Equipment. Die D800 und D810 hatte ich selbst noch nicht im Einsatz.

    In der Zwischenzeit habe ich mir auch eine D750 (bei der Cash-Back-Aktion) zugelegt. Als Ersatzkamera. Ich hatte Sie mal bei einer Hochzeit und einer Fashionshow als Zweitkamera im Einsatz. Im Vergleich zur D3s kam mir alles etwas langsamer vor. Bin aber halt auch stark an die D3s gewohnt.

    Ich empfehle Dir mal bei Konzertfotografen zu fragen die diese Kamera im Einsatz haben, oder Sie einfach mal privat oder einem Leih-Shop für ein Konzert auszuleihen.

    Viele Grüsse
    Maddin

    Reply
  3. KHSFotographie

    Werter Kollege Martin,
    was hälst du eigentlich von der alten Dame D80 und dem Nikkor DX AF-S 35mm 1,8?

    Die Frage ist berechtigt, denn ich sehe noch viele Kollegen die noch mit der D80 oder dem Nachfolger D90 im Graben stehen.

    Bester grüße aus dem ort wo die Straßenbahn die Räder auf em Dach hat.

    Reply
    1. MartinBlack Post author

      Die D80 hatte ich auch mal (oder wars sogar noch die D70? Ich weis gar nicht mehr so ganau)
      Bei mir kam es zu einem deutlichen Qualitätsansieg als ich auf die D700 umgestiegen bin.
      Mit der D80 würde ich persönlich keine Konzerte mehr fotografieren. Wenn die Bedingungen (Licht, Nebel Bewegung) anspruchsvoller werden, wären die Fotos der Kollegen reich technisch besser so dass ich nicht vergleichbar liefern könnte.

      Reply

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