Einschränkungen in der Konzertfotografie – Und wie Du damit umgehen kannst

Da der Veranstalter eines Konzertes Hausrecht hat, kann er auch bestimmen, wie was und wo bei einem Konzert fotografiert werden darf. Auch kann er die Bildverwendung einschränken. Sehr häufig muss er sich auch dabei nach Anweisungen oder Informationen von der Band richten.

Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Hier nun eine Aufstellung der 20 häufigsten Anweisungen und Einschränkungen, die mir schon vorgekommen sind. Dabei ist es egal, ob Dir die Anweisungen und Einschränkung schon in der Akkreditierung, einem Vertrag oder durch Personal des Veranstalters mitgeteilt wird.

Einschränkungen – die den Fotograf gar nicht oder kaum behindern

Bei diesen Einschränkungen wird die Arbeit eigentlich nicht oder nur unwesentlich behindert. Ich selbst lebe mit diesen Einschränkungen sehr gut.

  • Bilder nur redaktionell zu verwenden
  • Den Anweisungen des Security ist Folge zu leisten
  • Man darf drei Lieder ohne Blitz fotografieren

Diese Anweisungen und Einschränkungen sind eigentlich keine, da sie grundsätzlich für uns Pressefotografen gelten. Da man aber sieht, wie sorglos sehr häufig mit den Bildern umgegangen wird, ist es nicht verkehrt immer wieder darauf hinzuweisen.

  • Man darf nur bei bestimmten Liedern fotografieren

Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Manchmal ist bei einem Lied Pyrotechnik vorgesehen. Gerade dann ist die Anweisung zum Schutz der Fotografen. Oder es ist ein besonderer Gast oder ein besonderes Showelement (magic moment) während eines bestimmten Liedes. Bei Veranstaltungen, bei denen sehr viele Künstler kurze Auftritte haben, darf man z.B. immer nur das erste Lied des Künstlers fotografieren. Diese Regel kommt sehr selten vor (kleiner 5 %) und schränkt nicht weiter ein. Nur wäre es oft wünschenswert, früh genug diese Infos zu haben, um seinen eigenen Zeitplan zu optimieren.

  • Man darf im Fotograben nicht überall stehen

Dies kann der Fall sein, wenn man sich z.B. mit Kamerateams den Fotograben teilen muss. Aber auch für Fans oder Mitarbeiter gibt es manchmal Bereiche, die für den Fotografen Tabu sind.

  • Fotografen werden in Gruppen eingeteilt

Bei Veranstaltungen mit sehr vielen Fotografen können die Fotografen in Gruppen eingeteilt werden. Zum Beispiel Gruppe 1 fotografiert das erste und zweite Lied und Gruppe 2 fotografiert das dritte und vierte Lied.

Einschränkungen – bei denen es schwieriger wird ein gutes Bild zu erstellen

Bei diesen Einschränkungen wird die Arbeit schon schwieriger. Du solltest gut abwägen, ob es überhaupt möglich ist konkurrenzfähige Bilder zu erstellen.

  • Es darf nur 1 Lied fotografiert werden
  • Es darf nur z.B. 30 Sekunden fotografiert werden

Eigentlich reichen ja 30 Sekunden oder ein Lied um ein gutes Fotos zu machen. Dabei ist es allerdings notwendig, dass dann bei dem Lied gute Bedingungen herrschen. Rotes Licht oder viel Nebel während des ersten Liedes können ein gutes Bild verhindern. Auch ist es ärgerlich wenn der Künstler in dieser Zeit nicht in einem gut einsehbaren Bereich der Bühne steht.

Manchmal hast Du den Eindruck, als ob gar keine Bilder gewünscht sind wenn z.B. nur ein Lied erlaubt ist, dabei rotes Licht und Nebel herrscht und der Künstler irgendwo hinter dem Schlagzeug steht.

  • Es darf nur fotografiert werden, wenn geklatscht wird

Das ist eher bei Klassikkonzerten der Fall. Wenn alles sehr leise ist, kann das Klicken den Musikgenuss der zahlenden Zuschauer beeinträchtigen. Das stimmt auch. Auch eine leise Kamera ist immer noch deutlich zu hören.

  • Nur vom FOH  (front of house) aus fotografieren
  • Nur von der Seite fotografieren

Diese Regeln gibt es oft, wenn es keinen Bühnengraben gibt. Bei diesen Regeln benötigt man  leistungsstärkeres Equipment umso dunkler es ist. Ohne ein sehr gutes 300 oder 400er Objektiv hat man hier gegenüber gut ausgerüsteten Fotokollegen eindeutig das Nachsehen.

  • Fotografien aus den Zwischengängen zwischen den Sitzreihen
  • aus dem Publikum heraus

Bei diesen Einschränkungen ist das Hauptproblem die mangelnde Bewegungsfreiheit. Ist die zugewiesene Position nicht gut, kann man sie nicht wechseln. Auch ist oft der Winkel sehr ungünstig wenn man gehockt im Zwischengang fotografiert. Zusätzlich werden die Motive oft durch Hände (oder Hände mit Handys) verdeckt.

Einschränkungen – bei denen Du überlegen solltest ob Du fotografierst

  • Bilder dürfen nur für das angegebene Medium verwendet werden

Dieser Punkt wird immer wieder als besonders kritisch angesehen. Freie Fotografen und Agenturfotografen werden zu solchen Events erschwert zugelassen, da sie ja häufig kein Medium nennen können. Das stimmt schon.

Für die Fotografen der Tagespresse oder Magazine sollte diese Regel egal sein, da Sie ja eh für ihr Magazin vor Ort sind.

  • Die Bilder dürfen nur für eine bestimmte Zeit verwendet werden. (z.B. ein Jahr)

Wie beim Punkt eins weiter oben ist das für Tagespresse und Magazine eigentlich kein Problem. Meist wird ein Nachbericht über das Event gebracht, der innerhalb der Frist liegt.

Ich, als Agenturfotograf, gehe nicht zu solchen Veranstaltungen, da ich (und die Agenturen meist auch nicht) sicherstellen kann, dass die Bilder nach der angegebenen Frist vom Markt kommen. Oft sind die Datenbanken einer Bildagentur miteinander verstrickt oder die Bildverwaltung kann solche „Verfallsdaten“ nicht verwalten. Der manuelle Aufwand wäre dann einfach zu groß.

  • Es müssen bestimmte Texte bei der Veröffentlichung des Bildes genannt werden

Beispielsweise „die Band aaa beim Event bbb“. Dies ist eigentlich nur sauber zu garantieren wenn der Fotograf auch selbst das Medium ist. Beim Verkauf über mehrere Stufen wird es immer schwerer, diese Information und die Verpflichtung weiter zu geben. Man sollte die Anweisung auf jeden Fall direkt in den Bilderdaten hinterlegen und beim Übertragen/Angebot/Rechnung darauf hinweisen.

  • Das Management will die Bilder erst sehen und freigeben

Bei diesen Anweisungen steht oft kein sauberer Prozess dahinter. Dass das Management am Grabenausgang wartet und die Bilder anschaut und freigibt ist meist unrealistisch. Oft kommt es dazu dass Bilder gemailt werden und man auf Freigaben warten muss. Dabei haben Kollegen und ich gute und schlechte Erfahrungen gesammelt. Für mich eher ein Grund diese Veranstaltung zu meiden (da ich typischerweise meine Bilder über Nacht ausliefere).

Einschränkungen – bei denen ich nicht fotografiere (natürlich mit Ausnahme)

  • Die Bildrechte sollen unentgeldlich an die Band oder das Management übergehen

Hier nimmt man sich die Chance, seine Bilder exklusiv zu verkaufen. Wenn die Band die Bilder verschenkt reduzieren sich die Verkaufschancen deutlich. Auch würde sich jeder Fotograf ärgern, wenn die Band das Foto auf Merch-Artikel nimmt und damit Geld verdient.

Aber natürlich gibt es hier auch Ausnahmen, die individuelle Gründe haben können. Vielleicht ist es ja ein sehr gut bezahlter Job. Dann kann es dem Fotografen egal sein, was mit den Bildern passiert.

Oder es ist meine absolute Lieblingsband oder Künstler, so dass mein „Vorteil des Dabeiseins“ die Nachteile des reduzierten Einkommens aufhebt. Aber dies sollte dann wirklich eine seltene Ausnahme sein.

Fazit:

  • Es kann bei der Konzertfotografie viele unterschiedliche Einschränkungen geben.
  • Einige der Einschränkungen sind nicht wirklich relevant.
  • Andere Einschränkungen können die Qualität der Bilder und die Verkaufserlöse reduzieren. Einige Einschränkungen können dazu führen, dass Fotografen die Veranstaltung nicht fotografieren.

Autor: Martin Black,  Martin Black ist Pressefotograf und Betreiber des Blogs www.Presse-und-Eventfotografie.de. Er fotografiert prominente Persönlichkeiten sowie kommerzielle und private Events.   www.Martin-Black.de, martin@martin-black.de

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