Von 300 Bilder kommen nur 5 online. Ist dieses Verhältnis OK?

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Machst Du zu viele Bilder beim Konzert? Ist es normal dass Du soviel Ausschuss hast?

Wenn Du Deine ersten Konzerte fotografiert und Deine Bilder sortiert hast, wunderst Du Dich vielleicht über den hohen Ausschuss. Oder darüber wie viele (oder wenige) Bilder Du gemacht hast und wie es wohl bei den Kollegen ist.

Manche Fotografen im Graben machen Dauerfeuer. Andere wiederum machen nur ab und zu ein Bild. Was ist richtig oder falsch? Was ist besser oder schlechter?

Umso weniger Bilder, desto schneller bist Du fertig mit der Nachbearbeitung. Umso mehr Bilder, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für gute Bilder.

Aber wie viele Bilder sind OK? Wenn ich Dir nun sage: „Es kommt drauf an“ komme ich natürlich elegant aus der Sache heraus, aber es bringt Dich nicht weiter. Deswegen nenne ich gerne ein paar Zahlen für unterschiedliche Beispiele.

Beispiel 1) Bei einem Konzert mit 3 Liedern ohne Blitz 

  1. mache ich zu 90% 100 – 300 Fotos wenn ich etwa 5 – 20 Bilder für Redaktionen brauche
  2. Von 1. kommen ca. 40 % in die nächste Runde. Der Rest sind dann ein paar unscharfe und sehr viele sind doppelte/ähnliche Motive oder das Motiv sieht nicht gut aus. Hier gilt es stark zu sortieren. Niemand will zum Schluss 30 gleiche Bilder anschauen.
  3. Von 2. kommen etwa 5 – 20 in die Bearbeitung. Manchmal merke ich beim Bearbeiten, dass mir das Bild doch nicht gefällt und sortiere es aus
  4. von 3 kommen dann ca. 5 – 10 in den Verkauf (Also unter 10% aus 1). Oder ca. 10-20 in eine Galerie

Schauen wir uns das nun nochmal etwas genauer an und unterscheiden die Extremfälle.

Beispiel 2) Gute Bedingungen. Ein Solokünstler mit Gitarre auf Barhocker. Wenig Lichteffekte und tagsüber leicht bewölkt. Ziel: 5 Bilder für den Verkauf.

In diesem Fall brauchst Du natürlich viel weniger Bilder um ein ähnliches Ergebnis wie im ersten Fall zu bekommen. Deine Zahlen könnten z. B. so aussehen:

  1. ca. 50-100
  2. ca.80 %
  3. 5-10
  4. 5-10

Beispiel 3) Sehr schlechte Bedingungen. Mehrere wichtige Künstler auf der Bühne. Vielleicht auch Nebel. Künstler bewegen sich sehr schnell. Es ist wenig Licht, oder viel blaues/rotes Licht). Ziel: 5 Bilder für den Verkauf.

In diesem Fall musst Du Gas geben. Man kann sich beim Auslösen nicht zu 100% sicher sein ob das Bild gelingt, da man viele Faktoren nicht vorhersehen kann. Die Zahlen können dann gerne mal so aussehen:

  1. ca. 300
  2. ca. 10%
  3. 5-10
  4. 5-10

Um ähnlich viele brauchbare Bilder als Ergebnis zu haben musst Du also auch mehr Bilder machen.

Am 23.07.17 war ich auf dem Amphi-Festival. Dort gab es zwei Tage lang Bands zu fotografieren. Hier sind meine echten Bilderzahlen.

  • 3.176 Bilder gemacht.
  • 15 Bands. Somit 211 Bilder pro Band.
  • 189 in der Bearbeitung
  • 167 Bilder sind in online Galerien. Somit 5,2% online.

Diese Zahlen vom Wochenende bestätigen ganz gut die obigen Schätzungen.

 

Hier noch ein paar wichtige Tipps zu diesem Thema:

  • Wenn Du einen festen Auftrag hast und für das Ergebnis bezahlt wirst, dann mache lieber mehr Bilder. Sei auf der sicheren Seite.
  • Überlege Dir, was die wichtigsten Motive sind und konzentriere Dich auf diese
  • Mache prinzipiell so wenig Bilder wie möglich (aber so viele wie nötig damit Du Dein Ziel erreichst). Keine Angst, dafür bekommst Du mit der Zeit ein gutes Gefühl. Wenn Du dann nur ein Bild für eine Zeitung brauchst, dann wirst Du auch viel weniger Bilder machen als wenn Du eine Webgalerie befüllen willst. Es gibt Fotografen der Tagespresse die wirklich nur 10 Bilder vom Frontmann machen und dann wieder gehen. Davon wird dann eins gedruckt. Das ist da auch völlig ausreichend.
  • Wenn Du schon gute Motive der Band sauber fotografiert hast und dann das Licht schlecht wird, dann lass es gut sein. Besser werden die Bilder nicht.
  • Informiere Dich über besonders fotogene Motive und warte diese ab
  • lasse besonders unfotogene Momente einfach aus

Fazit:

Lass Dich nicht beirren. Andere machen auch viele Bilder und haben viel Ausschuss. Mit der Zeit bekommst Du ein immer besseres Gefühl wie viele Auslösungen Du für jede Situation brauchst um gute Bilder zu haben.

Autor: Martin Black,  Martin Black ist Pressefotograf und Betreiber des Blogs www.Presse-und-Eventfotografie.de. Er fotografiert prominente Persönlichkeiten sowie kommerzielle und private Events.   www.Martin-Black.de, martin@martin-black.de

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